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Helau die Fresse, Alaaf!

Wie es sich anfühlt, ein Faschingsmuffel zu sein

„Ich will das nicht anziehen, das juckt überall!“, raunzte ich. „Wieso denn nicht, du schaust uuuuuurlieb aus!“ Spätestens als meine Mutter mich mit drei Jahren in dieses fiese Fliegenpilzkostüm gesteckt hat (den depperten Anblick, wie ich trotzig vor dem Spiegel stehe und mit geschürzter Lippe meine Verkleidung begutachte, werde ich nie vergessen), war für mich klar – der Fasching und ich – wir werden keine dicken Kumpels.

Nicht jedes Kind mag Verkleidungen

Nicht jedes Kind mag Verkleidungen

Ohne eine böse Vorahnung fuhr ich in meinen wohlverdienten Kindergartenferien zu meinem Vater und musste mit Entsetzen feststellen, dass der Papa es anscheinend auch „uuurlieb“ findet, mir eine struppige Afroperücke über den Kopf zu stülpen, die obendrein innen mit Schweineborsten gefüttert zu sein schien – zumindest hat sie dementsprechend gezwickt. Ganz zu schweigen von der klebrigen schwarzen Farbe, die er inzwischen über meine komplette Visage geschmiert hatte.

Ehe ich mich versah, befand ich mich auf einer Veranstaltung, zu der ausschließlich Leute mit Totalausfall eingeladen waren, darunter natürlich auch meine absoluten Lieblinge: Lattenstramme Clowns, die die grässlichsten Grimassen schnitten.

creepy Clown

creepy Clown

Seit ich zum ersten Mal einen Fuß in ein Zirkuszelt gesetzt habe und mich eine dieser pseudowitzigen Kreaturen partout nicht in Ruhe lassen wollte, habe ich intuitiv eine ausgewachsene Coulrophobie entwickelt. Ihr könnt euch vorstellen, welch eine Mordsgaudi ich auf dieser Faschingsparty hatte. Seit diesen – ich möchte keinem Psychologen (und auch keiner Psychologin) zu nahe treten – aber doch traumatischen Erlebnissen, versuche ich den Fasching tunlichst zu meiden.

Dafür habe ich nach und nach die ausgeklügeltsten Clues ausgeheckt. Schon zur Abizeit, in der ich absolut keine Gelegenheit ausgelassen habe, nicht zu lernen, habe ich lieber zu Hause fürs Mathe-Abi gepaukt (zumindest offiziell), als mich in ein albernes Kostüm zu schmeißen und auf unsere Faschingsparty im Ort schleifen zu lassen. Auch wenn er sonst niemandem etwas nützt, war der gefürchtete Numerus Clausus damals eine willkommene Ausrede.

Auch dieses Jahr gelingt es mir erstaunlich gut, die fünfte Jahreszeit dezent zu ignorieren. Die Arbeit fällt bei mir ganz zufällig immer auf’s Wochenende oder ich widme mich – ambitioniert wie eh und je – solch vergnüglichen extrakurrikularen Aktivitäten, wie „Zurechtfinden im Rechtschreibdschungel“ oder „Rhetorische Fitness für Frauen“. So kann ich getrost eine ultimative Faschingsparty nach der anderen verpassen, während ich klammheimlich die Tage bis Aschermittwoch zähle.

Liebe Kölner und Faschingsfreunde auf der ganzen Welt, denen das Konfetti in die Wiege geworfen und das Bier als Milchersatz in den Schnabelbecher gefüllt wurde:

Ich fläze einfach viel lieber mutterseelenallein in Jogginghose daheim auf meiner Couch als beim Faschingszug von volltrunkenen Clowns mit Süßigkeiten abgeworfen zu werden und mir in meinem kratzenden Kostüm den Allerwertesten abzufrieren.

Somit bleibt das einzige, was ich an Fasching mag, die Tatsache, dass man damit das schöne Wort „Gehirnfasching“ bilden kann. Achja – die Krapfen sind auch ganz geil.

Krapfen - unmaskiert, wie ich sie bevorzuge, mit einer ordentlichen Portion Puderzucker

Krapfen – unmaskiert, wie ich sie bevorzuge, mit einer ordentlichen Portion Puderzucker

Carmen Thornton

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