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Die ungeschminkte Wahrheit

Natürliche Schönheit oder was?

Zugegeben: So richtig viel Make-up à la maskenhaftes Püppchengesicht habe ich noch nie toll gefunden. Aber wenn man sich heute mal auf der Straße, in der U-Bahn oder auch in der Uni umschaut, sieht man diese Spezies überall. Ihnen entkommen? Zwecklos. Warum aber schminken sich junge Frauen oder auch immer mehr junge Mädchen so extrem? Finden sie sich „in Natur“ nicht schön genug? Gehört es heute einfach dazu? Oder aber ist es eine Maske, hinter der man sich verstecken kann? Und was passiert, lässt man diese Maske einfach einmal weg? Ein nicht ganz gewolltes Selbstexperiment…

Ohne Make up aus dem Haus? Für viele Frauen undenkbar

Ohne Make up aus dem Haus? Für viele Frauen undenkbar

 Aller Anfang ist schwer

Es gehört doch irgendwie schon zum Alltag: Nach dem Aufstehen ab ins Bad und Make-up auflegen. Ein bisschen Puder, damit das Gesicht nicht glänzt, den ein oder anderen Pickel abdecken, Rötungen überschminken und sich dann dem wirklich Wichtigem zuwenden, den Augen. Nicht umsonst werden sie auch der Spiegel zur Seele genannt. Aus einem müden Blick wird einfach ein katzenhafter und verspielter Augenaufschlag gezaubert. Gut, zugegeben, aller Anfang war schwer: Mit naiven zwölf Jahren durfte ich das allererste Mal Lidschatten auflegen. Meine Wahl fiel natürlich auf ein wunderschön knalliges Neontürkis. Immerhin sollte ja auch jeder sehen, dass ich mich endlich schminken durfte! Und deswegen wurde es auch nicht dezent, sondern vor allem großflächig aufgetragen. Aber mit den Jahren und vor allem mit den ersten Reaktionen lernt man schließlich dazu. Heute gehe ich das Ganze doch ein wenig zurückhaltender an. Und trotzdem saß der Schock groß, als ich eines Tages erkannte, das war’s jetzt mit der Schminke!

Das kannst du dir erst einmal abschminken

 Schon seit klein auf habe ich Neurodermitis, eine Allergie, die sich größtenteils über die Haut bemerkbar macht. Kleine, fiese Rötungen, die manchmal unglaublich jucken können. Bislang zeigten sie sich an Körperstellen, die man wunderbar verstecken konnte. Bislang. Denn auf einmal blickten mir kleine rote Flecken am Augenlid entgegen, als ich eines Morgens mal wieder den Blick in den Spiegel wagte. Und wie schön sie es dort fanden, konnte ich tagsüber deutlich spüren. Einfach Make-up drüber und gut? Bloß nicht! Mir war schlagartig klar: Das kannst du dir erst einmal abschminken! Kein Lidschatten, kein Kajal und keine Wimperntusche! Alles in Augennähe war tabu. Das erste Mal ganz ohne Make-up im Gesicht war ungewohnt. Als ob jeder genau wusste, da fehlt doch was. Und nein, Sprüche, wie „Du siehst heute aber müde aus!“, „Geht’s dir gut?“ und „Bist du etwa krank?“, haben mein Selbstbewusstsein anfangs nicht gerade gestärkt. Gut, meistens waren die auch in der Früh zu hören. Wer ist denn schon nach dem Aufstehen eine wahre Naturschönheit? Sowas finden wir Frauen jedenfalls sehr unsympathisch.

Ungeschminkt sein kann auch ziemlich praktisch sein

Aber schnell habe ich gemerkt: Ohne Schminke – das kann auch ziemlich praktisch sein! In der Früh geht alles viel schneller, in der Uni kann man sich so oft an den Augen reiben, wie man mag, verschmieren tut da nichts. Zwischendurch mal nachschminken fällt natürlich auch weg. Und auch Regen und Schnee können meinem Gesicht erst mal nichts mehr anhaben. Natürlichkeit hat also doch das gewisse Etwas. Und mein Selbstbewusstsein? Das ist definitiv gewachsen. Hin und wieder fehlt mir aber doch ein klein wenig meine Wimperntusche. Dafür aber geht es meiner Haut ganz gut, die Flecken sind kleiner geworden und machen sich kaum noch bemerkbar. Und das Schönste überhaupt: Mein Freund findet mich ohne Make-up eh viel schöner. Das sagt er jedenfalls. Und ich will ihm das erst mal glauben.

Andrea Hornsteiner

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