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Die Sache mit den Vorsätzen

Eine Ode an das „Eigentlich“

Das neue Jahr ist in vollem Gange und die Vorsätze für 2015 wahrscheinlich schon wieder vergessen. Eigentlich wollten wir uns nicht im Fitnessstudio anmelden, um dann zwei Wochen später wieder das Handtuch zu werfen. Eigentlich wollten wir viel früher mit der Seminararbeit anfangen und jetzt rückt der Abgabetermin doch immer näher. Eigentlich wollten wir alles besser machen und jetzt sagen wir uns: Eigentlich ging es mir im letzten Jahr doch ganz gut. Eigentlich geht es uns immer gut und das nur, weil wir uns nicht eingestehen wollen, dass immer gut gar nicht geht. Eigentlich ist alles super, aber eigentlich wissen wir alle ganz genau, dass der Himmel über uns nicht blau ist, sondern grau. Eigentlich wollen wir uns weiterentwickeln, lernen, lieben, doch aus dem bequemen Alltag auszubrechen scheint uns dann doch irgendwie zu übertrieben. Doch wirklich sicher sein, können wir uns in unserem Leben eigentlich nie, denn ob man am Ende wirklich richtig steht, sieht man eben erst, wenn das Licht angeht. Eigentlich.

2015 - neues Jahr, neues Glück?

2015 – neues Jahr, neues Glück?

Eigentlich? Warum eigentlich eigentlich? Eigentlich eine gute Frage und die Antwort ist eigentlich auch nicht so schwer. Die eigentliche Frage ist doch, wozu man das Wort eigentlich überhaupt braucht. Eigentlich ist es nur ein Zusatz, ein unnötiger Zusatz in einem Satz, den eigentlich niemand braucht. Eigentlich. Und doch hat ihn irgendwann mal jemand erfunden, für ihn war es also wohl wichtig, eigentlich logisch richtig?

Ist es nicht eigentlich schrecklich, dass sich eigentlich so gut wie keiner mehr traut, auszusprechen, was wirklich in seinem Kopf vorgeht? Dass eigentlich so gut wie keiner mehr wagt, die alltägliche Maske abzunehmen und das wahre Gesicht zu zeigen? Dass wir panisch vor Konflikten fliehen und das eigentlich nur, um Harmonie zu erzeugen und dabei zerstören wir doch eigentlich nur unsere eigene Harmonie, uns selbst.

Ist es nicht eigentlich offensichtlich, dass die Menschen zu Maschinen mutiert sind? Niemand ist mehr der, der er eigentlich ist, niemand ist sich mehr im Klaren darüber, was er eigentlich denkt. Und wenn man sicher gehen will, geht man einfach ins Internet und googelt. Doch seit wann kann man eigentlich seine eigenen Gefühle googeln? Ist es nicht eigentlich traurig, dass die Menschen solche Perfektionisten geworden sind, dass sie nicht einmal mehr bei ihren Gefühlen ein Risiko eingehen wollen? Alles muss bis ins kleinste Detail geplant sein und ist man sich unsicher kommt unser eigentlich zum Zug. Ein unnötiger Zusatz und doch eigentlich ein Star unter den Wörtern.

Hört mal genau hin, auf euch selbst, auf den, der euch gegenüber steht und auf die großen Namen, die die Welt verändern wollen. Wir alle wollten eigentlich länger als zwei Wochen im Fitnessstudio bleiben. Wir alle wollten eigentlich früher mit der Seminararbeit anfangen. Wir alle wollten eigentlich die Welt verbessern. Und wieso machen wir es nicht einfach? Lassen wir das eigentlich doch einfach mal weg. Wir bleiben länger als zwei Wochen im Fitnessstudio, fangen jetzt mit der Seminararbeit an und verbessern die Welt. Versteckt euch doch nicht immer hinter diesem verdammten eigentlich. Es hat so viel zu tun, was uns doch eigentlich nur zeigt, dass die Menschen eigentlich Angst haben, nein, nicht eigentlich. Sie haben Angst. Angst vor der eigentlichen Wahrheit, Angst davor, ihr wahres, eigentliches Ich zum Vorschein zu bringen. Lässt man das eigentlich in einem Satz weg, erscheint dieser sofort realer, greifbarer. Das Leben spielt sich nicht mehr in einer Scheinwelt ab, sondern in der Gegenwart im Hier und Jetzt.

Denn eigentlich ist schon die Frage nach dem eigentlich eigentlich total überflüssig, weil eigentlich eigentlich überflüssig ist. Eigentlich.

Eigentlich? Eigentlich nicht!

Eigentlich? Eigentlich nicht!

Christina Bacher

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