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Die neue WIRED

Ein Kompass im Content-Strom

WIRED Germany rief vor kurzem ein neues Print-Magazin und eine brandneue Website ins Leben. Das Magazin ist bekannt für die detaillierte Behandlung von Themen rund um die Auswirkungen von Technologie auf Wirtschaft, Politik, und Kultur. Im März startet WIRED eine Kooperation mit der internationalen Digital- und Innovationsschule Hyper Island. Gemeinsam bieten beide Partner in Berlin mehrtägige Intensiv-Kurse zu den Themen Innovation und digitale Transformation an. Eine unserer Redakteurinnen sprach mit Chefredakteur Nikolaus Röttger über ein neues Markenkonzept für WIRED, das Studentenleben und Erlösmodelle im Internet.

WIRED-Chefredakteur Nikolaus Röttger, (c) Conde Nast Verlag

WIRED-Chefredakteur Nikolaus Röttger, (c) Conde Nast Verlag

WIRED hat gerade einen Neustart in Deutschland hinter sich – was hat es damit auf sich?
„Mit WIRED haben wir in Deutschland nicht nur ein Print-Magazin, sondern eine Marke ins Leben gerufen. Neben unserem Heft und der Website möchten wir mit unseren Leserinnen und Lesern in Zukunft auf Konferenzen und in Seminaren über die Welt von morgen sprechen. Es ist uns wichtig, Geschichten auf verschiedenen Plattformen zu erzählen und uns mit unseren Lesern auszutauschen.“

Wie hat sich der Innovationsprozess des neuen Magazins gestaltet?
„Wir haben uns immer die Frage gestellt, wie unsere Leserinnen und Leser unsere Geschichten und Reportagen lesen möchten. Weil viele von ihnen vor allem auf dem Smartphone unterwegs sind, haben wir die Website vom Smartphone aus konzipiert. Dieser Gedanke hat den Innovationsprozess stark geleitet. Wir haben außerdem überlegt, wie wir die Erlösstrategie gestalten können. Natürlich bleibt Werbung ein wichtiger Bereich im Heft und online, doch wir versuchen Werbung anders zu integrieren, respektvoller gegenüber dem Leser. Zusätzlich wollen wir unsere Userinnen und User an der Marke und der ganzen Welt von WIRED teilhaben lassen. Wir bieten ein Membership-Modell an, damit sie unsere Geschichten lesen können, wann es für sie am besten passt – ob zu Hause auf dem Sofa, in der U-Bahn oder auf dem Handy.“

Im Internet gibt es eine Sache, die immer zu funktionieren scheint: Katzen-Videos. Wie kann man diese Art von Hype-Kultur für sich zu nutzen und gleichzeitig die Integrität einer Marke wahren?
„Wir berichten natürlich über Netzkultur und kulturelle Phänomene, die Technologisierung und Digitalisierung mit sich bringen. Bei der Themenauswahl machen wir alles, was zur großen WIRED-Welt dazugehört – dazu gehören auch Katzen-Videos. WIRED lebt von seinem breiten Ansatz: Wir berichten mal über Biologie, mal über Weltraumwissenschaft, mal über das Internet. Dadurch bringen wir ganz verschiedene Themen zusammen.“

Im Vergleich zu den US-Amerikanern scheinen viele Deutsche der Digitalisierung und Digitalkultur noch skeptisch entgegenzublicken. Wie geht man bei WIRED damit um?
„Solche Sorgen muss man ernst nehmen und sich damit beschäftigen. In Deutschland wird natürlich nicht nur das Alte, sondern auch das Neue hinterfragt, das kann man aber auch ohne „German Angst“ machen. Da sind wir ja auch alle ein bisschen zwiegespalten: Auf der einen Seite sind wir besorgt über persönliche Daten und die großen Konzerne. Aber wir alle erwarten, dass ein Kartendienst nicht nur Adressdaten, sondern auch Infos über das nächste Café oder den nächsten EC-Automat liefert. Plötzlich vergisst man, dass man Standortdaten von sich preisgibt, weil es so bequem ist.“

Gerade junge Leute sind häufig nicht bereit, für Content im Internet zu zahlen. Wie planen Sie diese Kundengruppe für sich zu gewinnen?
„Wir laden zu einem größeren Paket ein. Du kannst Member werden, dazu gehört das Heft, dazu gehört, dass du Geschichten exklusiv online lesen kannst und dazu gehört auch, dass du dich als erster für Events und Bildungsangebote anmelden kannst. Wir bieten keinen Artikel für soundso viel Cent, sondern die ganze WIRED Welt.“

Wie würden Sie die neue WIRED in einem Satz beschreiben?

Die aktuelle WIRED-Ausgabe, (c) Conde Nast Verlag

Die aktuelle WIRED-Ausgabe, (c) Conde Nast Verlag

„Wir wollen ein Kompass in dem großen Content-Strom sein, um Kontext und Einordnung zu bieten und von Menschen und Innovationen berichten, die unser Leben tatsächlich verändern.“

In der neuen WIRED dreht sich viel um den Bereich Education. Welchen Ratschlag würden Sie Studenten geben, die heute ihren Karriereweg in der digitalen Welt planen?
„Für mich war das Studium immer wie ein roter Faden und trotzdem war ich neugierig herauszufinden, was links und rechts von mir passiert. Es ist wichtig Dinge ausprobieren zu können und in die Praxis zu gehen: Ein Startup gründen oder eine Karriere in einem Konzern – das muss jeder für sich selbst rausfinden.“

Welcher Trend wird unsere Gesellschaft in den nächsten zehn Jahren am stärksten verändern wird?
„Was unter dem Schlagwort „Internet of Things“ – Internet der Dinge – läuft: Alles wird sich vernetzen. Das macht unglaubliche Dimensionen aus: Von der Produktion von Gütern, die plötzlich alle eine IP-Adresse brauchen, bis hin zu meinem Smartphone, mit dem ich das Licht an- und ausschalten kann. Außerdem werden Ebenen hinzukommen, von denen wir jetzt noch gar nicht wissen.“

 

Judith Dada

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