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Die Facebook-Mum

Wenn dich die Eltern deiner Freunde facebooken

„Du hast eine neue Freundschaftsanfrage“. Mein erster Gedanke: Der Typ von der letzten Wg­-Party möchte unser nettes Gespräch mit einer Facebook­-Freundschaft manifestieren. Doch statt meiner Party-Bekanntschaft möchte mich Maria S. als Freundin hinzufügen. Maria S. ist die Mutter einer ehemaligen Schulfreundin. Wieder eine dieser Mütter, die plötzlich auch ganz hip auf Facebook mitmischen wollen. Aber will ich wirklich mit ihr „befreundet“ sein? Schließlich weiß ich jetzt schon, dass sie nicht als Facebook-­Leiche in meiner Freundesliste ruhen wird. Im Gegenteil – ich werde gezwungenermaßen Zeuge ihres zweiten Frühlings werden. Dass jeden irgendwann die Midlife-­Crisis erreicht, ist vermutlich ein ähnliches Schicksal wie die durchzustehende Pubertät. Aber reicht es nicht, dass erwachsene Männer plötzlich die Straße mit ihrem neuen Porsche unsicher machen und mit Chucks und G­Star-Hosen durch die Gegend rennen? Muss das auch noch medial aufbereitet werden?

Die Eltern unserer Freunde auf Facebook? Gefällt uns nicht.

Die Eltern unserer Freunde auf Facebook? Gefällt uns nicht.

Gemeinsame Freunde? Definitiv zu viele!

Glaubt man den allgemeinen Statistiken, steigt die Zahl der Facebook-­Nutzer kontinuierlich. Bei derzeit rund 26 Millionen aktiven deutschen Usern ist klar, dass sich nicht nur unsereins die Vernetzungsmöglichkeiten sozialer Netzwerke zu eigen machen. Dagegen ist auch nichts einzuwenden, schließlich gilt das soziale Netzwerk Xing unter Headhuntern als der Schlüssel zum Erfolg. Wieso aber müssen sich Männer und Frauen in den Fünfzigern als wilde Partylöwen präsentieren? Was Maria S. anbelangt, ist meine Neugierde aufgrund des durchaus lasziven Profilbildes geweckt. Ein bisschen durch das Profil geklickt und mir ist klar: Maria S. ist eine typische Facebook-­Mum. Gemeinsame Freunde? Definitiv zu viele!

Aber wie kommt es, dass der Trend des wilden facebooken, sich rasant in der älteren Generation ausbreitet? Schließlich sind es nicht mehr nur die MILF’s (Mothers I’d like to fuck), die zu wirklich aktiven Nutzern werden. Vorbilder sind sicherlich amerikanische Stars wie Madonna oder Demi Moore, die seit Jahren ihre Facebook­-Pages füllen. So präsentiert sich Madonna nicht nur als das absolute Partytier, sondern auch als die scheinbar beste Freundin ihres jugendlichen Sohns. Aber nicht nur Stars lieben es, sich gegenseitig zu facebooken. In den USA ist es gang und gäbe mit sämtlichen Familienmitgliedern befreundet zu sein und sich über gemeinsame Erlebnisse öffentlich auszutauschen.

Fremdschämpotenzial? Mehr als vorhanden

Eltern auf Facebook sind vor allem eines: Neugierig

Eltern auf Facebook sind vor allem eines: Neugierig

Natürlich ist es verständlich, dass auch unsere Eltern die Funktionen von Facebook nutzen möchten. Insbesondere dann, wenn die eigenen Kinder ins Ausland oder in eine andere Stadt ziehen, erleichtert es nicht nur die Kommunikation, sondern sie können so gewissermaßen am Leben ihrer Kinder teilhaben – und andersherum. So zieren die Walls der Facebook-­Mums Posts über den letzten Robinson­-Club-Urlaub, bei dem anscheinend ordentlich gebechert und richtig „fetzig abgetanzt“ wurde. Ein Beweis von letzterem wird einem zum Glück erspart. Beliebt sind auch die geposteten Familienbilder der Facebook-­Mums mit Kommentaren wie „Noch sieben Tage“ oder „Miss youuuu!“. Natürlich wurden die Bilder mit dem neuen iPhone geschossen, das letzte Weihnachtsgeschenk des Ehemanns. Über dieses „abgefahrene Geschenk“ wurde man dank Facebook bereits informiert. Schließlich soll ja gezeigt werden, wie jung geblieben man ist und was für ein tolles Leben man doch führt. Als Beweis hierfür dienen Verlinkungen von sämtlichen Lokalitäten oder Partys, die besucht wurden. Besonders hoch ist das Fremdschämpotenzial bei den Likes der Facebook­-Mums. So reihen sich Elyas M’Barek und Ryan Gosling zwischen die medizinische Fußpflege Kiefer. Beinahe dramatisch wird es, wenn peinliche Selbstporträts (schlimmstenfalls im Bikini) hochgeladen werden. Da fühlt man sich dann wie bei einem Unfall: Man würde ja gerne weggucken…

Man möge einwenden, dass man sich mit den Facebook­-Mums nicht befreunden müsste. Das ist auch richtig, aber die Facebook­-Mums treiben ihr Unwesen auch auf den Seiten ihrer Kinder oder deren Freunde. Und so findet man zu oft unter einem gemeinsamen Urlaubsfoto Kommentare wie „Ich bin so stolz auf dich Süße!“ oder „Das ist mein Großer!“. Ich persönlich finde es auch weniger schlimm, dass meine Mutter die letzten Partybilder sehen könnte. Vielmehr finde ich das Verhalten einiger junggebliebener Eltern auf Facebook ebenso unangebracht wie das einiger Altersgenossen. Aber irgendwie sieht man in seinen Eltern ja nach wie vor eine Respektperson, von der man erwartet, dass sie sich nicht öffentlich zur Freakshow stellt.

Svenja Eggeling (Gastautorin)

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