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Der ganz eigene Hausarbeitsstress

Über den Fluch und Segen von Hausarbeiten

Den meisten Studierenden einer Geisteswissenschaft dürfte es bekannt sein: Kaum sind alle Klausuren geschrieben, erfolgt die nächste und letzte Hürde des Semesters: Die Hausarbeit(en)! Und damit geht für viele der Akt der Prokrastination in eine neue Ebene.

Hausarbeiten sind ein Fluch und ein Segen zugleich: Sie ersparen uns noch mehr Klausuren und geben uns – wenn wir Glück haben – die Freiheit, uns mit einem Thema zu befassen, welches uns interessiert und naheliegt. Im Gegensatz zu Klausuren können wir mehr oder weniger selbst entscheiden, mit welcher Thematik wir uns befassen möchten und unser Wissen wird hier zwar sehr themenspezifisch, aber doch in gewisser Weise gründlicher abgefragt als bei Multiple-Choice-Klausuren. Denn während wir oft eine Woche nach der Klausur kaum noch wissen, was wir eigentlich gelernt haben, geschweige denn das Wissen anwenden können, sind wir bei Beendigung einer Hausarbeit im besten Fall kleine Experten in unserer Thematik.

Hausarbeiten

Hausarbeiten schreiben: wie es aussehen sollte…

Doch leider haben Hausarbeiten nicht nur angenehme Eigenschaften. Denn wenn nach den Klausuren und zum Beginn der vorlesungsfreien Zeit die Ferien zum Greifen nahe erscheinen, wissen wir: Der Schein trügt, die Tage, die wir in der Bibliothek verbringen, sind noch nicht vorbei! Zwar hat man nun die Möglichkeit, sich die Bearbeitungszeit komplett frei einzuteilen, doch geht das im Zeitalter von Facebook & Co. meistens sowieso schief. Denn der Zeitdruck, der uns bei der Vorbereitung der Klausuren so oft im Nacken sitzt, scheint sich auch erst mal in die Semesterferien verabschiedet zu haben. Und so sitzen wir vor dem leeren Word-Dokument, schreiben vielleicht mal zwei Sätze, zählen dann erst einmal die Zeichen und checken dann unsere Facebookseite. Danach kann man sich mit seinen Freunden per Whatsapp oder live mit Mitbewohnern über die Anzahl der geschriebenen Zeichen informieren („Ich hab schon 1000! Jetzt nur noch 20.000, dann hab ich es schon!“), bevor man sich in der Küche wahlweise einen Smoothie mixt oder nach Schokolade sucht. Sobald wir wieder vor dem PC Platz nehmen, checken wir erneut unsere Facebook-Seite und gucken sämtliche Youtube-Videos, die dort gepostet wurden und lesen jeden einzelnen Artikel, der uns angezeigt wird. Bis wir schließlich erneut zwei Sätze schreiben und der Teufelskreis von vorne beginnt.

... und wie es wirklich ist!

… und wie es wirklich ist!

Würden wir die Zeit, die wir für das Prokrastinieren aufbringen, tatsächlich intensiv in das Schreiben der Hausarbeiten stecken, so wäre sie wahrscheinlich je nach Länge innerhalb von drei bis sieben Tagen geschrieben und wir hätten mehr Zeit für die wirklichen Semesterferien. Warum wir es nicht schaffen, uns am Riemen zu reißen und zu konzentrieren, steht in den Sternen. Oder auf Facebook.

Charlotte Horsch

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