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KWlerin vs. Jurist

Lieber Jurastudent,

na, was gab es zu Weihnachten Schönes für dich? Den neuen Palandt? Eine gute Investition. Dann musst du die aktuelle Ausgabe nicht immer in der Bib verstecken. Ein neues iPhone, iPad, vielleicht einen neuen Mac? Mit dem alten Zeug kann man sich ja nicht mehr in der Vorlesung blicken lassen! Oder gab es vielleicht einen neuen Rollkoffer, in den auch wirklich alles reinpasst? Es ist schon ärgerlich, dass diese Teile meistens nicht ganz so zum Outfit passen. Apropos Outfit. Ein Thema für sich.

Wie erkenne ich einen Juristen?
Im Sommer trifft man ihn meist in stylischen Loafers oder einer, unter Juristen und BWLern hochangesagten, Sommerbootsschuhvariante. Sobald es kälter wird, werden aber gern die Winter-„Timbis“ rausgekramt. Ist es ein Problem, wenn die farbigen Söckchen dabei nicht so ganz zur farbigen Chino passen? Nein, Colorblocking like a boss. Und wenn man schon vor den Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts zu Kreuze kriechen muss, kann man zumindest beim Kleidungsstil auch mal ein Rebell sein, naja gut, ein seriöser Rebell. Obendrauf kommt dann entweder ein schickes Hemd oder ein Polo. Ein paar Revoluzzer werden aber ab und zu auch mal mit T-Shirt gesichtet. Was auf der Beliebtheitsskala früher das kleine Kroko war, ist heute der große Reiter, Dezentere feiern sich eher in Boss.

Um die Damen der Schöpfung nicht außer Acht zu lassen: Perlenkettchen und -ohrringe sind immer noch hoch im Rennen. Ein strenger Dutt, den geliebten Louis über dem Arm drapiert, so kennt man sie. „Timbis“ tragen aber auch sie gerne mal. Wenn es andere Schuhe sind, kann man sicher sein, sie waren teuer und sie passen auf jeden Fall farblich zu Jacke, Tasche oder Halstuch. Ich hab keine Ahnung, wann diese Ladies morgens aufstehen, aber ich ziehe meinen Hut. Ihr solltet öfter hohe Schuhe anziehen, damit euren Bemühungen in der Bib auch genügend Aufmerksamkeit gezollt wird. Wäre doch schade, sich immer nur hinter meterhohen Bücherbergen zu verstecken!

Oh ja, die liebe Bib. Spätestens vor dem Examen wirst du wohl oder übel deine meiste Lebenszeit dort verbringen. Kein Wunder also, dass man da gerne einen persönlichen Bezug zu einem Schließfach aufbaut. Ganz ehrlich, diese ganzen anderen Amateure haben ja keine Ahnung, was man alles mitschleppen muss. Da kann man schon mal ein Schließfach über Nacht blockieren.

So weit so gut. Was gibt es bei eurer Spezies noch zu beachten? Bekommt man eine Nachricht von einem Juristen, die mit „Ja Schadensersatz…“ anfängt, nicht wundern, er wollte wohl „Ja schade..“ schreiben. Immer diese Autokorrektur. Diskutieren mit einem Jurastudenten? Schwierig. Das ist sowieso alles Auslegungssache und außerdem kommt es darauf an, ob… Ein lustiges Trinkspiel könnte sein: Ein Shot, wann immer in einer Unterhaltung „grundsätzlich“, „streitig“, „vertretbar“ oder „vorsätzlich“ auftaucht. Gewisse Dinge sollte man allerdings um des Friedens willen auch einfach akzeptieren. Der größte Witz für den Jurastudent ist ein „Keine Haftung für die Garderobe“ und wenn man ihn um einen kleinen Gefallen bittet, kann es schon mal sein, dass man einen Haftungsausschluss für Gefälligkeitsverhältnisse jeglicher Art unterschreiben muss.

Wenn man das alles berücksichtigt, sollte es eigentlich keine Probleme mit euch geben. Denn wer kann nicht cool drauf sein, der sich gerne im „Einser“ ein bisschen Moët Chandon gönnt. Sowieso eigentlich dreist, dass ich mir erlaube, hier an der Elite etwas zu kritisieren. Ich kann wahrscheinlich mein Studium abschließen ohne jemals wirklich etwas gelernt zu haben. Bachelor, Master? Staatsexamen! Die Frage ist nur, helfen einem vier Punkte im Staatsexamen so viel weiter? Oder streiten wir uns am Ende beide nur um die Taxifahrgäste. Zumindest musste ich dafür aber kein halbes Vermögen für ein fragwürdiges Repetitorium ausgeben. Aber was soll’s, das sind ja nur Peanuts. Ich hoffe nur für dich, lieber Jurastudent, dass du dich nicht zu sehr von deinen besten Freunden T, O, K und V beeinflussen lässt. Nicht alle Frauen stehen auf fünf Tonnen Gel und Befriedigung sollte man wohl auch noch woanders finden als im Zivilrecht ;)

Liebste Grüße,

deine Kommunikationswissenschaft-Studentin

und die Antwort….

Liebe Kommunikationswissenschafts-Studentin,

über deinen Brief habe ich mich wirklich gefreut!

Es ist schön, mal etwas von einem Nicht-Juristen zu hören. Wir müssen uns doch arg viel nur mit Kommilitonen beschäftigen, um beim Lernen hinterherzukommen. Aber das kennst du ja bestimmt… wobei, kennst du das wirklich? Du schreibst, dass du wahrscheinlich dein ganzes Studium lang nicht lernen musst, um dann später Taxifahrerin zu werden. Damit spielst du zwar mit den Klischees, aber die Frage lautet doch: Wenn du das eh schon weißt, wieso machst du es dann noch? Fehlen dir jegliche beruflichen Ambitionen? Dann hättest du dich ja wohl kaum dafür entschieden zu studieren. Aber so hast du ein Fach gewählt, unter dem sich niemand so recht etwas vorstellen kann. Die Frage „Ach, du studierst Kommunikationswissenschaften? Lernst du dann, wie man kommuniziert?“ wirst du bestimmt schon oft gehört haben. Aber mal im Ernst: Wieso studiert ihr das? Brauche ich wirklich so viele Leute, die mir sagen, wie sich die Kommunikation in der Gesellschaft entwickelt hat, alles dargestellt anhand diverser Studien? Wäre es nicht besser, sich mal eine eigene Meinung zu bilden, anstatt nur die anderer Leute zu analysieren? Wobei, mit solchen irdischen Problemen willst du dich bestimmt nicht beschäftigen. Schließlich hast du ja schon bei der Wahl deines Studienfachs gezeigt, dass dir die aktuelle Situation auf dem Arbeitsmarkt vollkommen schnuppe ist. Hauptsache die Sozialleistungen in Deutschland sind gut, da kann man ja studieren, was man will.

Das führt uns gleich direkt zu deinem größten Punkt: Unserer Kleidung. Stimmt, wir sind im Vergleich zum Rest der Bevölkerung in unserem Alter meistens schon eher klassisch angezogen. Aber ist das etwas schlechtes? Sind unsere „Timbis“ blöd, weil sie klassisch, schön und trotzdem wettertauglich sind? Oder muss ich – wie ihr – das ganze Jahr über Chucks mit Sneakersocken tragen, nur um akzeptiert zu sein? Apropos: Unsere Juristinnen wecken ja deine Bewunderung, weil sie sich so um ihr Aussehen sorgen. Wie ist das bei euch? Euer Studiengang besteht ja nahezu nur aus Frauen, achtet da keine auf gutes Aussehen? Wenn ihr schon nicht mit einem gepflegten Äußeren und guten Umgangsformen punkten wollt, was unterscheidet euch denn dann von den ganzen Leuten, die alle „irgendwas mit Medien oder Kommunikation“ studiert haben?

Du siehst schon, ich stelle viele Fragen. Aber nur, weil ich dich verstehen will. Denn bei uns Juristen bekommt jeder seine faire Chance, seine Meinung zu präsentieren und die anderen zu überzeugen. Deswegen sind auch so viele Dinge „vertretbar“, wir sind eine tolerante Gemeinschaft. Wenn du mir also neben deiner Ahnungslosigkeit bezüglich deines Berufswunsches und deinem vagen Interesse fürs Reden noch andere Dinge aufführst, warum es wirklich sinnvoll ist KW zu studieren, dann lasse ich mich gerne überzeugen. Denn grundsätzlich ist alles vertretbar… zwei Shots für dich!

Du hast in deinem Brief noch einige andere Dinge angesprochen. Aber leider kann ich nicht auf alles eingehen. Zum einen scheinst du mir noch selten einen Juristen in freier Wildbahn getroffen zu haben. Denn wie kann es sein, dass ein Drittel der Leute, die dich regieren, Juristen sind, wenn wir doch ein solcher Haufen zankender Lackaffen sind? Zum Anderen muss ich mich jetzt leider wieder meinen Büchern widmen, das kennst du ja nicht, dir reicht dein Handy für die Internetrecherche für deine Hausarbeit über das „Web 2.0“, Bücher sind ja sowas von old-fashioned, stimmt’s?

Also, mach’s gut, ich bin sicher, wir treffen uns mal wieder, spätestens wenn deine Jacke von der Garderobe geklaut wurde und dir das Geld für eine neue in diesem Monat fehlt. Dann ist es doch gar nicht so unpraktisch zu wissen, ob das ein unzulässiger Haftungsausschluss ist oder?

Viele Grüße,

dein Jurastudent

KWlerin vs. Jurist

KWlerin vs. Jurist

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