Wir schreiben München – schreibt mit!

Etwas liegt in der Luft

„Wir sind jung. Wir sind stark.“

Donnerstag, den 22.01.2015, startet ein schon jetzt wild diskutierter deutscher Film. „Wir sind jung. Wir sind stark.“ zeigt unter der Regie von Burhan Qurbani, wie tragisch ein einzelner Tag enden kann. Der fast 130-Minüter handelt von den ausländerfeindlichen Aufständen, die in Deutschland vor 22 Jahren, ähnlich wie auch derzeit, große Debatten aufleben lassen. Schauspieler Jonas Nay, Trang Le Hong, Saskia Rosendahl und Paul Gäbler versetzen den Zuschauer zurück in den Sommer von 1992 in Rostock-Lichtenhagen.

Der Inhalt

Die Gruppe zieht zum Sonnenblumenhaus, (c) Zorro Film

Die Gruppe zieht zum Sonnenblumenhaus, (c) Zorro Film

August 1992, ein heißer Sommertag in Rostock-Lichtenhagen. Die Wohnsiedlung in der Stefan, Sohn eines Lokalpolitikers, und seine Clique herumstreifen, ist heruntergekommen und wirkt steril. Ein Wohnblock gleicht dem anderen, die Stimmung auf der Straße ist angespannt. Einen Tag zuvor demonstrierten Tausende vor einem Asylbewerberheim in der Plattenbausiedlung.

Die Clique wird schlicht von Ziellosigkeit und Frustration zusammengehalten. Der scheinbare Ausweg aus dieser Miesere wird von radikalen Ideologien genährt und treibt ihre naive Aufbruchsstimmung an. „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“ – mit diesen Parolen macht der aggressive Mob den Asylbewerbern klar: Euch will hier keiner. Ihr nehmt uns die Arbeit weg. Es liegt etwas in der Luft.

Lien will sich den Respekt der deutschen Einwohner in der Plattenbausiedlung verdienen. Sie ist zusammen mit ihrem Bruder und seiner Frau aus Vietnam in das Sonnenblumenhaus in Rostock-Lichtenhagen gezogen. Lien arbeitet hart und bekommt so ihre Aufenthaltsgenehmigung. Entschlossen in Deutschland zu bleiben, kommt es zu Auseinandersetzungen mit ihrem Bruder, der nach der Räumung eines Asylbewerberheimes befürchtet, die Wut der deutschen Einwohner würde sich nun auf die Vietnamesen im Sonnenblumenhaus übertragen.

Lokalpolitiker, wie Stefans Vater Martin, wollen nicht einknicken vor dem reichen Westen und geraten in einen moralischen Konflikt. Wohin mit den gefährdeten Asylbewerbern? „Rostock ist nicht ausländerfeindlich“. Vergeblich soll die aufgeladene und gewalttätige Situation vorort in den Medien kaschiert werden. Dabei sind sowohl die Lokalpolitik als auch die Polizei längst überfordert.

Am Ende des Tages wird das Sonnenblumenhaus zur Zielscheibe. Die Schicksale treffen aufeinander. Auf der einen Seite Stefan und seine Clique, auf der anderen Lien und ihre Familie, im Schutz des Wohnhauses. Selbst Martin, Stefans Vater, hat sich in den radikalen Mob gemischt und muss entsetzt feststellen, wofür sein Sohn manifestiert. Das Fernsehen berichtet live und die Polizei bildet eine dünne Mauer um das Gebäude. Pöbelnde Nazis, betrunkene Jugendliche ohne Zukunftsperspektive und wütende Rentner, die sagen, dass damals alles besser war. Rund 3000 Menschen versammeln sich vor dem Sonnenblumenhaus – in Angst um ihre Heimat. Oder der Definition davon. Es liegt etwas in der Luft. Wer traut sich und wirft den ersten Stein?

Stefans Vater (Devid Striesow) sieht fassungslos zu, wie sein Sohn sich unter den Mob mischt, (c) Zorro Film

Stefans Vater (Devid Striesow) sieht fassungslos zu, wie sein Sohn sich unter den Mob mischt, (c) Zorro Film

Rechts oder links? Liebe oder Hass? Freundschaft oder Verrat? Dank der verschiedenen Blickwinkel und moralischen Auseinandersetzungen der Protagonisten in „Wir sind jung. Wir sind stark.“ sind wir Beobachter einer Situation die kurz vor dem Kippen ist.

Neugierig geworden? Hier könnt ihr euch den Trailer zu „Wir sind jung. Wir sind stark.“ ansehen.

Anissa Bouabsa

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.