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MKWlerin vs. Psychologin

Sehr geehrte Frau Dr. Dr. Psychologie-Studentin,

ich hoffe doch sehr, dass ich nicht jetzt schon den ersten Fehler begangen habe – waren es genügend Doktors vorneweg? Denn wir wissen ja alle, wie schnell man es sich mit euch verscherzen kann. Ihr seid besonders eitel und betont immer wieder, wie intellektuell ihr doch seid. Und so ein beleidigter Psychologie-Student in der Ecke vermiest jede Party.

Da steht ihr dann mit eurem Glas Chardonnay in der Hand und beobachtet nasenrümpfend und mit Stirnrunzeln die ach so primitiven Studenten, die sich sinnlos mit billigstem Bier betrinken. Natürlich erkennt ihr mit eurer dicken Hornbrille sofort, welche Ursache jeweils dahinter steckt. Analysieren ist ja schließlich eure Leidenschaft. Und findet ihr das richtige Opfer, legt ihr erst richtig los. Dann werden die Ärmel eueres Rollkragenpullovers hochgekrempelt und der Haarduett noch mal zurecht gesteckt. Seien es Minderwertigkeitsgefühle oder der gute alte Vaterkomplex – ihr kennt sie alle. Und das ist auch eure einzige Chance in den Mittelpunkt zu gelangen. Überall mischt ihr euch ein und verteilt Ratschläge am laufenden Band. Lass es dir gesagt sein, liebe Psychologie-Studentin, euren Mitmenschen geht ihr mit eurer ewigen Besserwisserei gehörig auf die Nerven. Und nein, wir wollen nichts von Freuds Psychoanalyse hören. Vielleicht solltet ihr dann doch lieber in der Ecke bleiben und eingeschnappt an eurem Chardonnay nippen.

Aber natürlich trifft das oben Genannte nicht auf alle Psychologie-Studenten zu. Der Großteil von euch geht nämlich gar nicht erst auf Partys, sondern sitzt jeden Abend büffelnd vor dem Schreibtisch. Wie solltet ihr denn sonst euren Notenschnitt halten können? Überhaupt seid ihr angehenden Psychologen eine komische Spezies. Alles und jeden analysiert ihr, wisst immer alles besser und euer Standartsatz lautet: „Und wie fühlst du dich dabei?“. Dabei sind es doch insgeheim die Psychologen selbst, die einen Therapeuten brauchen oder etwa nicht? Ihr redet den ganzen Tag über die Psyche des Menschen und entwickelt dabei selbst die verschiedensten Ticks. Therapieren sich Psychologen eigentlich selbst oder macht ihr das in gegenseitigen Gruppensitzungen?

Hochachtungsvoll

Deine Medienkulturwissenschaftlerin

…und die Antwort:

Meine liebe Medienkulturwissenschaftlerin,

es wundert mich gar nicht, dass Doktortitel dich durcheinander bringen. Ich glaube, so etwas Anspruchsvolles gibt es bei euch nicht. Über euch Medienkulturwissenschaftler hört man allerdings auch nichts – nicht einmal in den Medien. Eure Spezies ist anscheinend so unbedeutend, dass sie noch so gut wie unerforscht ist. Allein der Begriff „Medienkulturwissenschaft“ ist im Grunde nichtssagend. Beschäftigt ihr euch nun mit Medien oder doch eher mit Kultur? Ist das dann für euch eine „Wissenschaft“? In diesem Fall sollten Doktortitel dir nicht unbekannt sein.

Du hast von Minderwertigkeitskomplexen gesprochen. Kein Wunder, dass dieses Thema dich so beschäftigt: Du leidest ganz eindeutig darunter. Warum sonst wirken wir Psychologen so unglaublich intelligent und unnahbar auf dich? Aber das ist ja nicht weiter tragisch – dafür gibt es ja uns. Mit meiner dicken Hornbrille habe ich dich nämlich schon längst durchschaut.

Im Gegenteil zu unserer Motivation, Psychologie zu studieren, um der Allgemeinheit zu dienen, hast du dich dazu entschlossen, deine egoistischen Triebe zu befriedigen und einfach „irgendwas mit Medien“ zu studieren. „Ach Filme“, hast du dir wohl gedacht, „sind doch etwas Schönes“. Aber gleich „Medien“, „Kultur“ und „Wissenschaft“ in einem zu studieren? Geht das überhaupt? Klingt, als wolle jemand möglichst viele Buchstaben in Galgenmännchen sammeln.

Natürlich verstehe ich, dass du noch keinen Psychologen auf einer Party erlebt hast. Du musst wahrscheinlich sowieso meist daheim bleiben, um noch „Hausaufgaben“ zu erledigen. Wenn dich deine Mitbewohnerin dann fragt, was genau du denn machen müsstest, heißt es nur wehleidig: „Einen Film schauen“.

Naja, ihr müsst halt Opfer bringen, um erfolgreich einen Abschluss zu machen. Obwohl das dann natürlich nicht bedeutet, dass ihr auch einen Arbeitsplatz bekommt. In dem Glauben, dass kaum jemand anders sich für Medien oder unsere Kultur interessiert, beginnt ihr euer Studium. Später kommt es dann – sehr zur eurer Überraschung – immer wieder dazu, dass ihr von uns Psychologen beraten werden müsst, welche andere Richtung ihr denn nun doch noch einschlagen könntet. Dann, wenn ihr entweder Taxifahrer oder arbeitslos seid.

Aber keine Sorge, dafür gibt es ja uns Psychologen. Du wirst mir schon noch dankbar sein für die Frage: „Na, wie fühlst du dich dabei?“ Und wenn du dich dadurch bereits jetzt ein bisschen besser fühlst, so darfst du dir auch gerne ein Glas Chardonnay gönnen. Auch du, meine liebe Medienkulturwissenschaftlerin, hast dir das nämlich verdient.

Zu guter Letzt möchte ich dir auch noch deine nette Frage über unser Wohlbefinden beantworten: Wir Psychologen überleben ganz autonom. Wir therapieren uns gegenseitig. Aber darüber, meine Liebe, wirst du sicher schon einen Film gesehen haben.

Wir sehen uns dann in ein paar Jahren – es sei denn natürlich, meine Warteliste ist zu lang.

Bis dahin viel Erfolg beim „wissenschaftlichen“ Arbeiten,

Frau Prof. Dr. Dr. Psychologie-Studentin

MKWlerin vs. Psychologin

MKWlerin vs. Psychologin

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