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Fluch der Handys, Laptops & des World Wide Webs

Gibt es eine Möglichkeit, sich dem Fluch zu entziehen, ständig erreichbar sein zu müssen? Und wenn ja, will ich das überhaupt? Ja, ich will. Spätestens jetzt, nachdem ich zum zehnten Mal von irgendeinem Hotline-Mitarbeiter angerufen werde, der sich einfach nicht abwimmeln lässt. Vermutlich sein x-ter Versuch, einem verzweifelten Studenten einen kostenlosen Karibik-Urlaub anzudrehen – wofür man sehr wahrscheinlich ein nie wieder kündbares Jahres-Abo bei irgendeiner drittklassigen Zeitschrift machen muss, von dessen finalen Kosten man sich ein ganzes Kreuzfahrtschiff leisten könnte. Ist diesen Menschen denn nichts zu peinlich? Die Antwort lautet definitiv nein. Zum elften Mal wimmele ich ihn ab.

Die ständige Angst nicht up-to-date zu sein

Schon lange spiele ich mit dem Gedanken, das Ding einfach mal abzuschalten, aber irgendwas hindert mich daran. Diese ständige Angst, was zu verpassen, nicht up-to-date zu sein, DAS Event des Jahres nicht mitzubekommen. Wie hätte ich ohne Handy beispielsweise jemals von der Trennung von Capristo und Özil erfahren sollen, oder vom nächsten Nippelblitzer eines Promis? Weltbewegende Nachrichten, von denen ich komplett abgekapselt wäre ohne mobiles Internet.

Ohne Handy halten es nur noch Wenige aus, (c) flickr/Mo Riza

Ohne Handy halten es nur noch Wenige aus, (c) flickr/Mo Riza

Auszeit von unserer reizüberfluteten Welt

Ein glücklicher Zufall macht es nun doch möglich, mich – nicht ganz freiwillig – vom Smartphone beziehungsweise dem Internet zu trennen: Ein Wochenende in Österreich. Ich muss nur kurz zögern, um mir schließlich einzugestehen, dass ich für die paar Tage Ausland keine zehn Euro extra zahlen will. Also wohl kein Handy.

Wovon ich anfangs dachte, es wäre der absolute Horror, entpuppt sich als das entspannteste, erholsamste und nicht-mit-den-Nerven-am-Endigste Wochenende seit langer, langer Zeit. Da der Fernseher auch nicht so richtig will, bin ich wohl oder übel von sämtlichen technischen Medien befreit und muss mich anderweitig beschäftigen. Mit mir selbst zum Beispiel. Und es bleibt so viel Zeit für das, was sonst immer zu kurz kommt in unserer reizüberfluteten Welt: Das Nichts-tun.

Ich kann euch definitiv versichern: Es lohnt sich!

Manja Faulhaber

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