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Trödel dich glücklich

nachtkonsum

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Wenn es draußen dunkel wird, öffnet der Nachtflohmarkt „nachtkonsum“ wieder einmal seine Pforten. Als Location dient, wie schon Jahre zuvor, die TonHalle auf dem Gelände der Münchner Kultfabrik. Jeder Besuch ist einmalig. Dieses Mal ist auch die unikat Redaktion vor Ort und sieht sich um.

„Die Stimmung passt und die Leute sind einfach super!“

Die ersten Besucher sind bereits eingetroffen und es wird schon kräftig diskutiert und gehandelt. Die Stimmung ist allgemein gut und es wird viel gelacht. Besonders laut geht es an einem hinteren Stand zu. Drei junge Frauen scherzen lauthals und schaffen es mit ihrem Charme, ihrer Herzlichkeit und wahrscheinlich gerade mit ihrer Lautstärke die Aufmerksamkeit vieler Besucher auf sich zu lenken. Anja ist gemeinsam mit ihren beiden Freundinnen das erste Mal hier, aber schon vollends begeistert. „Die Stimmung passt und die Leute sind einfach super! Der erste große Verkaufserfolg war eine graue Lederjacke mit langen Fransen an den Ärmeln“, lacht die hübsche Frau. Das gewöhnungsbedürftige Stück ging für stolze elf Euro weg. Neben Schuhen und Stofftieren verkaufen die drei Freundinnen auch einen lebensgroßen Darth-Vader-Pappkartonaufsteller. Bereits kurze Zeit später tauscht auch er den Besitzer. Nun will sich Anja vollends auf eine gelbe Krawatte mit Entenmotiv konzentrieren.

Verrückte Sammler und individuelle Verkäufer

Einige Stände weiter sticht ein Verkäufer mit seinem Aussehen aus der Menge heraus. Der ältere Mann mit langem weißen Bart trägt über seine Fellweste aus Iltis eine antike Pistole. Zugleich ziert ihn ein alter abgewetzter Jagdhut und eine Talismankette. Hans-Jürgen könnte aus einem anderen Jahrhundert entsprungen sein, und doch macht auch er den Nachtflohmarkt mit aus. Schmunzelnd erzählt er von seinem bisher verrücktestem Verkaufserlebnis: „Ein Mann interessierte sich für meine elektrische Getreidemühle. Er wollte wissen, ob man damit auch Gyros machen könne. Ich nahm es als Scherz hin und entgegnete lachend, die Mühle sei verstellbar. Der Mann kaufte sie tatsächlich. Da war sogar ich kurz sprachlos!“.

Am nächsten Stand bleiben viele Besucher kurz stehen und staunen. Auf dem Verkaufstisch von Günther stehen fast 120 kleine Schlumpfsammelfiguren ordentlich in Reih und Glied. Der leidenschaftliche Sammler von insgesamt über 800 Schlümpfen verkauft aber nur seine doppelten Exemplare. Günther erzählt gerne von seiner Sammlung: „Meine Schlümpfe befinden sich in einem zwei Meter hohen und breiten Glaskasten, den mir extra ein Freund gebaut hat. Mein Opa hat vor fast 30 Jahren einen Setzkasten mit Schlümpfen gekauft. Damit begann meine Sammelleidenschaft.“ Seine Frau hat mit dem Hobby kein Problem, sie selbst sammelt Steiffbären.

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Eine ganz besondere Atmosphäre

Obwohl der Verkaufsstand von Janina in einer der hinteren Ecke der Halle steht, fällt er schon von weitem auf. Der Tisch ist besonders liebevoll mit rosafarbigen Tüchern und bunten Blumen geschmückt. Hinter ihr thront eine große hölzerne Buddhastatue. Ein rosafarbener Sonnenschirm und einige indische Bilder dienen zusätzlich als Dekoration. Janina verkauft Messing- und Holzschmuck aus Nepal, Indien und Tibet. Die junge Frau nimmt sich viel Zeit für ihre Kunden. Für sie ist der Spaßfaktor wichtiger als der Umsatz. Und das, obwohl sie den Flohmarkt längst zu ihrem Beruf gemacht hat und von den Verkäufen lebt. Seit acht Jahren reist Janina im Winter nach Asien, um dort Schmuck zu kaufen, den sie im Sommer auf Märkten und Festivals wieder verkauft. Der „nachtkonsum“ ist aber eindeutig ihr Favorit: „Hier herrscht einfach eine besondere Atmosphäre!“.

Dieser Flohmarkt hebt sich von anderen Flohmärkten ab. Nicht nur, dass der „nachtkonsum“ Münchens erster Nachtflohmarkt ist, die Besucher müssen auch drei Euro Eintritt bezahlen. Doch das nehmen die meisten gerne in Kauf. Viele überzeugt das musikalische Rahmenprogramm, sowie die Tatsache, nicht früh aufstehen zu müssen.

Der Nachtflohmarkt bietet beinahe alles. Hier stehen Buddhastatuen neben knallbunten Totenkopffiguren, ganze Parfümstände betören die Besucher und altes Besteck glänzt mit danebenliegenden Piercingschmuck um die Wette. Nach dem Motto: „Trödel dich glücklich?!“ wird hier sicherlich jeder Besucher fündig.

Andrea Hornsteiner

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