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Nur des Geldes wegen

Viele immatrikulieren sich zum Schein an einer Uni, um Vergünstigungen als Studenten zu genießen

Das Leben ist teuer, das weiß man nirgendwo so gut wie hier in München. Immens hohe Mieten, unerhört hohe Preise für MVV Tickets, das riesige Angebot an kulturellen Möglichkeiten, die man auf keinen Fall verpassen darf. Besonders aber als Student dreht man schon jeden Euro doppelt um. Dafür gibt es jedoch auch Vergünstigungen in allen Bereichen, die dann finanziell von der ganzen Gesellschaft getragen werden. Als Gegenleistung soll der Student fleißig studieren und seine erlernten Fähigkeiten in seinem späteren Beruf der Gesellschaft wieder zu Gute kommen lassen.

Eigentlich ein guter Grundgedanke. Schließlich kann man mit dem Semesterticket das ganze MVV Gebiet günstig abfahren, im Theater, Kino und Co. bekommt man verbilligten Eintritt und das Essen in der Mensa ist auch günstig. Über die Qualität kann man sich allerdings streiten. Die Krankenversicherung ist niedriger und vom Kindergeld kann man auch noch länger profitieren. Aber ist es legitim, diese Einsparungen auch als Normalsterblicher mit durchschnittlichem Einkommen zu nutzen? Manche sprechen hier von Sozialmissbrauch und sind strikt dagegen. Aber besonders junge Leute, die nach dem Abitur lieber eine Ausbildung machen statt zu studieren, greifen auf das Scheinstudium zurück. Hauptgründe hierfür sind Einsparungen durch das Semesterticket, das günstiger ist als eine Monatsfahrkarte für Azubis.

Das Problem liegt aber darin, dass man potentiell angehenden Studenten einen Studienplatz wegnimmt. Selbst bei nicht zulassungsbeschränkten Studiengängen wird dann mit mehr Studenten gerechnet. Sind aber nur die Hälfte der Studenten eines Kurses nicht Scheinstudenten, funktioniert die optimale Raumaufteilung in der Uni nicht mehr. So würde zum Beispiel ein Kurs mit eigentlich 30 Studenten einen großen Raum bekommen, einer mit 20 einen kleineren, in den sie gerade so rein passen. Sind von dem Kurs mit 30 Studenten aber 15 Scheinstudenten dabei, wäre die Raumaufteilung nicht mehr gerecht und die Raumkapazität der Uni wäre nicht mehr optimal genutzt.

In letzter Zeit habe ich in meinem Umfeld immer wieder das Thema Scheinstudium zu hören bekommen. Manche wollen nur nach dem Studium das günstigere Semesterticket behalten und ungehindert in ganz München umher fahren. Das ist auch sehr verständlich. Manche interessiert aber nur die billigeren Karten im Kino und Theater. Man sollte dabei aber immer im Hinterkopf behalten, ob man mit einem Scheinstudium nicht seiner eigenen Generation schadet. Ist das ein Kinoticket wert, das gerade einmal einen Euro günstiger ist? Stattdessen könnte man einen gemütlichen Kinoabend mit Freunden machen. Das ist für alle kostenlos und dafür muss man nicht mal Student sein.

Ramona Reisacher

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