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Interview mit Karsten Lohmeyer, Blogger bei LousyPennies.de

Blogger von LousyPennies.de

Karsten Lohmeyer, Blogger von LousyPennies.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Job, Freizeit, soziales Umfeld –     

Karsten Lohmeyer bloggt zusammen mit seinem Kollegen Stephan Goldmann über Journalismus und zeigt, wie man damit online Geld verdienen kann. Mehrere Hundert Menschen schauen dabei täglich auf seinen Blog LousyPennies.de. Rund fünf bis sechs Stunden pro Woche verbringt er damit, Einträge für seinen Blog zu schreiben. Und damit ist er nicht alleine.

Laut einer Statistik von statista.com gab es 2006 „noch“ rund 36 Millionen Blogs weltweit. 2011 hat sich diese Zahl gut verfünffacht! Mit 173 Millionen Blogs auf der Welt, Anzahl steigend, ist es nicht unbedingt leicht sich mit seinem Blog aus der Masse hervorzuheben. Gleichzeitig ist es immer wichtiger sich für Bewerbungen und Firmen als „Marke“ im Internet zu präsentieren.
Was man also für einen guten und erfolgreichen Blog unbedingt beachten sollte und warum für manche Journalisten Klicks heutzutage mehr wert sind als in der Tagesschau erwähnt zu werden, erklärt Karsten Lohmeyer, Teilhaber, Geschäftsführer und Chefredakteur der Agentur Hagen+Pollmeier Corporate Publishing und außerdem Blogger bei LousyPennies.de.

Hallo Karsten! Was hat dich denn veranlasst, den Blog LousyPennies zu gründen?

Das war eine ganz spontane Entscheidung. Prinzipiell wollte ich schon länger bloggen, ich wusste nur nicht worüber. Dann habe ich Richard Gutjahr, den ich aus alten schönen, gemeinsamen Journalistenschultagen kenne, bei einem Vortrag zufällig wiedergetroffen. Und bei diesem Vortrag hat er die ganze Zeit das Wort „Lousy Pennies“ benutzt. Da ich mir dachte, dass „Lousy Pennies“ als Domain lustig und interessant klingt, habe ich sie mir direkt gesichert. Schließlich hab ich mir gedacht: Ok, was mach ich damit? Und aus dem Namen hat sich‘s dann selbst erklärt: Verleger Hubert Burda hat davon gesprochen, dass Verlage nur „Lousy, Lousy Pennies“ im Internet verdienen können, also nur Kleingeld. Und letztlich hab ich mir gedacht: Ok, jetzt gehen wir dem mal nach und schauen mal, ob Journalisten ohne Verlage mit den Lousy Pennies leben können. Denn was für Verlage Kleingeld ist, kann ja für einen einzelnen Journalisten richtig viel Geld sein.

Wie schaffe ich es aber, bei einer so großen Anzahl von über 170 Millionen Blogs weltweit mich mit meinem Blog von der Masse hervorzuheben?

Ich glaube prinzipiell einfach durch Qualität und deine eigene Stimme! Also wenn du etwas hast, wo du sagst: das ist meine persönliche gute Qualität, das ist meine eigene Stimme, damit stelle ich mich dar und damit begeistere ich Menschen. Dann hast du kein Problem damit, aus der Masse herauszustechen. Von so einer großen Zahl würde ich mich außerdem nicht einschüchtern lassen.

Wie schaffe ich es bei Suchmaschinen wie Google mit meinem Blog ganz oben zu landen?

Auch da wieder: guter qualitativ hochwertiger Content ist am wichtigsten! Also Inhalt, das was du schreibst! Klar, kann man ein paar Grundregeln für suchmaschinen-optimiertes Schreiben beachten, aber prinzipiell gilt: je journalistischer und hochwertiger deine Inhalte sind, desto höher ist deine Chance bei Google weit oben vorgeschlagen zu werden. Und journalistische, hochwertige Inhalte sind natürlich Inhalte mit guter Rechtschreibung und Grammatik! Passende Schlüsselwörter (= die Wörter, die ein Nutzer am ehesten in eine Suchmaschine eingibt, um seinen gewünschten Inhalt, den er sucht, zu finden. Anm. d. R.) können dir auch helfen. Das ist das eine und dann brauchst du natürlich noch eine gewisse Verlinkung und Vernetzung. Dass andere Leute dich verlinken, dich in sozialen Medien teilen, deine Beiträge und Links auf deine Seite setzen. Das schaffst du durch Kommunikation mit anderen Bloggern, mit anderen Websites und in den sozialen Medien.

Du bist ja auch Journalismus-Dozent und Social-Media-Trainer. Was gibst du zum Beispiel für Seminare?

Ich hab einen Lehrauftrag für Zeitschriften-Journalismus an der Universität Passau und ich bin Dozent an der Deutschen Journalistenschule, dort für die Online-Umsetzung von Magazinen. Und ab Dezember werde ich an der Fachhochschule Wien ein Seminar halten, das sich „The future of journalism“ nennt.

In deinem Artikel Du dachtest Facebook dient nur zur Selbstdarstellung. Doch für Journalisten ist es sehr viel mehr… schreibst du, dass es heute wichtiger sein kann, als Journalist mehr Likes zu bekommen, als in der Tagesschau genannt zu werden. Woran liegt das?

Das kommt natürlich auf die Zielgruppe an. Wenn deine Zielgruppe keine Tagesschau schaut, dann ist es völlig egal, ob du in der Tagesschau genannt wirst oder nicht. Wenn aber deine Zielgruppe auf Facebook unterwegs ist, dann ist es natürlich wichtig, viele Likes zu kriegen. Also je mehr Leute dich liken, umso mehr Traffic bekommst du auf deine Seite. Wenn in der Tagesschau dein Blog erwähnt wird, gehen die Wenigsten online und sagen: Oh, das muss ich mir jetzt anschauen! Sondern es kann tatsächlich viel effektiver sein, wenn du in den sozialen Medien geteilt wirst, sodass die Leute auch ohne Medienbruch direkt auf deine Seite kommen. So funktioniert‘s einfach heute!

In einem Zitat von meedia.de meintest du, dass die „Digital Native Journalisten“, also die Online-Jungjournalisten, für dich inzwischen zu einer „Urban Legend“ geworden sind. Warum?

„Digital Native Journalisten“, die gibt es schon, aber nicht viele. Junge Menschen im Alter von 14-30 Jahren sind vermutlich schon „digital natives“, haben aber in großen Teilen überhaupt keine Ahnung davon, dass die digitalen Medien, die sie sozusagen nativ nutzen, auch ein großes professionelles Werkzeug sein können. Gerade wenn du dir als Nachwuchs-Journalist sagst: Ich will jetzt die große Geschichte auf Seite 3 der Süddeutschen schreiben und privat nutze ich Facebook, aber professionell nutze ich es nicht, dann lässt du ein unglaublich wichtiges Werkzeug einfach links liegen. Denn tatsächlich ist es in Zeiten des digitalisierten Journalismus so, dass sich alles rund um das Thema Traffic, Reichweite und Besucher dreht und da ist es relevant und enorm wichtig, dass du in der Lage bist, die sozialen Medien für dich, dein Medium, deine Botschaft zu nutzen. Und das funktioniert ein bisschen anders als: „Ich teile mal eben ein paar Katzenbilder auf Facebook!“
Aber stattdessen sollte folgendes erkannt werden: Facebook, wow, das ist ein super geiles Instrument, wenn ich es professionell für mich nutze! Ich habe die Möglichkeit, die Reichweite meines Blogs aus dem Stand heraus in richtig fette Dimensionen zu treiben – aber stattdessen nutzen sie viele Nachwuchsjournalisten nicht, sie erkennen sie nicht! Sie warten lieber darauf, dass sie irgendwer entdeckt und sie für die Seite 3 der Süddeutschen schreiben können.

Dein Abschluss-Statement zum Thema „Blogs“?

Also ich kann jedem, der Journalist werden möchte oder Journalist ist, wärmstens empfehlen zu bloggen! Es macht Spaß und es bringt für den eigenen Ruf, für den eigenen Markenaufbau so viel, dass man lieber heute als morgen anfangen sollte. Ich sag auch ganz ehrlich: wenn ich gewusst hätte, was das Bloggen mit mir macht, hätte ich schon viel früher damit angefangen!

Daniela Rothgang

 

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