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„Ich wollte nichts anderes mehr machen. Nur Musik“

Woran erkennt man einen Vollblut-Musiker? Wilder Typ mit langen Haaren? Etwas längere Haare hat Tobias Blessing schon mal. Ansonsten wirkt er wie jemand, der schon ziemlich genau weiß, was er in seinem Leben erreichen möchte. Kein verträumter Künstler. Jemand, der mit viel Engagement, Fleiß, Talent und auch einer Portion Glück seinen Traum verfolgt. Der alles für seine große Leidenschaft, die Musik gibt.

Tobias Blessing mit Unikat Redakteurin Julia Haas

Tobias Blessing mit Unikat Redakteurin Julia Haas

Unikat: Wie bist du zur Musik gekommen?

Tobias Blessing: Meine Eltern sind beide Musiker, ich bin also damit aufgewachsen. Bei uns waren Instrumente schon immer Teil der Einrichtung. Das Interesse ging aber immer von mir aus. Es war nie so, dass mich meine Eltern absichtlich in diese Richtung gepusht hätten, was ich echt gut finde. Ich habe erst in der ersten Klasse mit dem Akkordeon Unterricht angefangen. Nach ein paar Jahren war mir das dann nicht mehr genug und ich bin auf Schlagzeug umgestiegen. Später kamen noch Klavier und Gitarre dazu, wobei ich mir E-Gitarre eigentlich selber beigebracht habe.

Unikat: Wann hast du gewusst, dass Musik mehr als ein Hobby für dich ist?

Tobias Blessing: Das war ungefähr in der zehnten Klasse, als ich mit Klavier angefangen habe. Ab diesem Zeitpunkt hat mich die Leidenschaft eigentlich so richtig gepackt. Ich wollte nichts anderes mehr machen. Nur Musik.

Unikat: Was war bisher deine coolste Erfahrung?

Tobias Blessing: Meine coolste Erfahrung waren bisher eigentlich drei größere Auftritte, einer davon mit meiner damaligen Band „The Barillas“ auf dem Tollwood. Das ist schon ein Wahnsinnsgefühl, wenn man auf so einer Bühne vor Publikum steht.
Was mich aber eigentlich in letzter Zeit am meisten geprägt hat, war mit dem Singer/Songwriter Gabriel Miller Philipps sein zweites Album in Brooklyn aufnehmen zu dürfen. Dort wurde plötzlich wertgeschätzt und honoriert, was ich mache. In Erding bin ich nur irgendjemand, der versucht Musik zu machen. Hier wird Musik einfach nicht so offen gelebt. In Williamsburg, Brooklyn hat jeder fünfte, der die Straße entlangläuft, eine Gitarre auf dem Rücken. Ich habe von dort ein ganz anderes Lebensgefühl mitgenommen.
Allgemein würde ich aber sagen, dass es immer wieder aufs Neue eine coole Erfahrung ist, Musik zu machen. Besonders dann wenn du merkst, dass ein Song, den du gerade schreibst, funktioniert.

Unikat: Hast du ein musikalisches Vorbild?

Tobias Blessing: Das ist eine schwierige Frage. Als ich jünger war, hatten wir lange Zeit eine Red Hot Chili Peppers Coverband. Das hat schon geprägt. Meine Vorbilder an den Drums sind Jojo Mayer, Mark Guiliana, Dave Weckl und Thomas Pridgen. Ansonsten sind Radiohead, Dorian Concept, The Mars Volta und Reignwolf Bands/Acts, die im Moment ganz inspirierend für mich sind. Ich mag aber auch klassische Musik, zum Beispiel von Bach, oder den Wu-Tang-Clan, wenn es in die Hip-Hop-Richtung geht. Es gibt keine bestimmte Musikrichtung, die ich bevorzuge. Ich steh eigentlich auf alles, was gut gemacht ist.

Unikat: Hast du vor mit Musik in Zukunft hauptberuflich dein Geld zu verdienen?

Tobias Blessing: Ja schon. Ich arbeite gerade daran. Momentan bin ich fest engagiert in einem Studio, das Werbemusik produziert. Außerdem arbeite ich viel zu Hause in meinem Schlagzeugkeller. Ich habe schon unter anderem für diverse Automodelle die Werbemusik von Mercedes Benz selbst eingespielt und in den V8-Studios produziert, genauso wie einen Werbesound für Volkswagen. Außerdem unterstütze ich zur Zeit Gabriel Miller Philipps, meistens an den Drums, oder spring auch mal bei einer Band ein, so wie letztes Jahr bei LEAF, mit denen ich auf dem Fontaine Festival in Lettland gespielt habe.

Tobias an seinem "Arbeitsplatz"

Tobias an seinem „Arbeitsplatz“

Unikat: Der Titelsong von der Sat.1-Show „The Taste“ stammt von dir. Wie kam es dazu?

Tobias Blessing: Zwei Kumpels und ich haben zusammen das Musiklabel T3MA-Factory gegründet. Da einer von ihnen bei der ProsiebenSat.1 Media AG arbeitet, wussten wir, dass für eine neue Prime Time Kochsendung noch der Opener und das Sounddesign gesucht werden. Man bekommt dann den Text und ein paar stilistische Angaben, in welche Richtung das Ganze gehen soll und los geht’s.
Den Titelsong habe ich zuhause geschrieben und eingespielt/eingesungen und mit Hilfe der anderen produziert. Das kann sich wahrscheinlich niemand vorstellen, dass die Musik für so eine Sendung im Fernsehen in einem kleinen Schlagzeugkeller entstanden ist, den wir mehr provisorisch wie professionell mit dem nötigen Equipment und Eierschalen ausgestattet haben. Kaum zu glauben, wenn die eigene Stimme dann plötzlich so oft im Fernsehen zu hören ist.

Unikat: Viele träumen davon, in Berlin für ein Musikstudium angenommen zu werden. Du hattest die Zusage in der Tasche, dich aber dagegen entschieden. Warum?

Tobias Blessing: Ich habe auch ein paar Monate nach dem Abitur in Berlin gelebt, aber das war nicht der richtige Weg für mich. Vor kurzer Zeit habe ich in Boston am Berklee College of Music vorgespielt. Das wäre mein Traum, wenn es dort mithilfe eines Stipendiums klappen sollte. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob ein Musikstudium allgemein sehr sinnvoll ist. Ich sehe ja bei meinen Eltern, wie viel Zeit, Mühe und Engagement sie in ihr Studium gesteckt haben und wie wenig es ihnen finanziell gesehen gebracht hat.


 

Tobias Blessing ist wohl ein Beispiel dafür, dass es glücklicher macht, sein Leben mit dem zu verbringen, was man liebt anstatt vielleicht gängigen Idealvorstellungen eines Lebenswegs hinterherzujagen. Während andere Anfang zwanzig faulenzen oder den Tag auch mal verschlafen, sitzt er in seinem Schlagzeugkeller und macht Musik. Für ihn ist es wichtig, immer am Ball zu bleiben. Nur in Orchestern oder Coverbands werden wir ihn wohl nie erleben. „Musik muss immer noch etwas eigenes sein“, meint er. Für dieses Jahr ist eine Tour mit Gabriel Miller Phillips geplant und hoffentlich wird es auch sonst noch viel Musikalisches von ihm auf die Ohren geben. Man darf gespannt sein.

Julia Haas

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