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Skandinavistin vs. Maschinenbauer

Mein lieber Maschinenbau-Student,

euch zu erkennen, fällt uns Geisteswissenschaftlerinnen nicht schwer. Denn es gibt nur zwei Kategorien von euch: Die notgeilen Überheblichen und die notgeilen Loser. Bei jeder Party, die sich irgendwie nach vielen weiblichen Studierenden anhört, seid ihr stets die größte Gruppe. Eigentlich müsste doch auch bei euch mittlerweile der Spruch über euch angekommen sein: „Karohemd und Samenstau – ich studier‘ Maschinenbau.“ Doch stören tut euch das nicht. Ganz im Gegenteil. Munter stellt ihr bei jeder Gelegenheit euren Samenstau unter Beweis.
Zugegeben: Man darf ein kleines bisschen differenzieren zwischen euren Vorgehensarten – je nachdem, ob ihr zu den notgeilen Loser oder zu den notgeilen Überheblichen gehört:

Der notgeile Loser:
Mit Bier und eurem Ausgehhemd bewaffnet, zieht ihr am Donnerstagabend gemeinsam mit eurem Kumpel los. Dabei fühlt ihr euch schon ganz schön verrucht – denn es ist schließlich Donnerstag! Morgen früh müsst ihr wieder pünktlich in Garching auf der Matte stehen. Voller Euphorie, dass ihr nun in einem Club seid, holt ihr euch ein Bier. Und glotzt. Richtig tanzen wollt ihr nicht – könnt ihr auch nicht. Doch wie könnt ihr sonst ein Mädchen klarmachen? Der super Mittelweg: Ihr steht einfach auf der Tanzfläche statt zu tanzen. Und glotzt weiter. Irgendwann habt ihr genug intus, dass ihr ein Mädchen ansprecht. Mit wilder Gestik schreit ihr uns ohrenbetäubend laut ins Ohr: „Und, was studierst du?“, um direkt danach zu betonen, was ihr Anspruchsvolles, Mathematisches und Technisches studiert. Das macht ihr so lange, bis euch ein Mädchen irgendwann mitleidig ihre Handynummer gibt. Stolz wie Oscar fahrt ihr nach Hause. Und am nächsten Tag gibt es in der Uni kein anderes Thema als diese Wahnsinnsparty.

Der notgeile Überhebliche:
Ihr taucht frühestens gegen ein Uhr im Club auf, schließlich seid ihr viel beschäftigt. Maschinenbau studieren – und dann auch noch irgendetwas tun, um hip zu sein, wie skaten, snowboarden oder surfen. Eure Coolness unterstreicht ihr gerne mit Caps, Tank-Tops und Skateschuhen. Eigentlich habt ihr gar keinen Bock auf diese Party – aber hey, wenn die Ladies stimmen! Ihr steht abwechselnd lässig an der Bar oder lässig auf der Tanzfläche. Dabei tut ihr, als hättet ihr Spaß, doch eigentlich sucht ihr nur nach einem passenden Opfer. Kleine, blonde Mädels – das ist genau euer Ding. Schließlich habt ihr eine gefunden, stellt euch in ihre Nähe und tut noch lässiger. Wenn ihr merkt, dass sie euch gesehen hat, grinst ihr und lasst sie noch ein bisschen warten. Irgendwann tanzt ihr auffällig nah hinter ihr, legt die Hand um ihre Hüfte, dann lasst ihr sie noch von eurem Getränk probieren – geritzt! Innerhalb der ersten paar Gesprächsminuten stellt ihr klar, was ihr studiert, damit sie auch ja genügend Respekt vor euch hat.

Gut, abgesehen von eurer Notgeilheit könnt ihr vielleicht ganz nett sein.
Und zugegeben: Ich bewundere es ja auch, wenn jemand Maschinenbau studiert und das alles gut hinbekommt. Ich selbst würde es nicht packen. Aber mit eurer Arroganz macht ihr dieses Ansehen manchmal verdammt schnell wieder zunichte.
Lasst euch einen Tipp von mir geben: Freut euch daran, Maschinenbau zu studieren. Aber behaltet diesen Stolz für euch. Und seid nicht so unglaublich notgeil. Dann könntet ihr gar nicht mal so übel sein.

Eure Skandinavistin

…und die Antwort:

Meine liebe Skandinavistin,

dass ihr Geisteswissenschaftlerinnen unter uns Maschinenbauern nur die notgeilen und überheblichen Kerle kennt, tut mir persönlich wirklich leid. Lernt ihr in eurem Studium nicht das Analysieren anderer Bevölkerungsgruppen oder kennt ihr euch nur mit hammerschwingenden Halbgöttern aus?

Es ist doch wohl selbstverständlich, dass immer besonders viele Männer auf Partys sind, auf denen vor allem weibliche Studenten anzutreffen sind. Und ja, wir haben nun mal extrem wenige Frauen bei uns. Aber gleich von Notgeilheit zu sprechen, ist das wirklich nötig?

Einige meiner Kommilitonen, mich eingeschlossen, sind längst weg vom Single-Markt und haben es allein deshalb schon gar nicht mehr nötig, auf irgendwelchen Partys Mädels angetrunken ins Ohr zu brüllen. Damit würden wir schon einmal durch dein geliebtes Analyseraster fallen. Abgesehen davon: Meistens wurde ich gefragt, was ich denn studiere und nicht umgekehrt. Eine Betonung, wie anspruchsvoll mein Studiengang doch sei, ist mir auch nie über die Lippen gerutscht. Und nötig ist das wohl auch nicht, wie du selbst festgestellt hast. Du schreibst ja, wie sehr du es bewunderst, wenn jemand Maschinenbau studiert. Soviel zu diesem Vorurteil.

Vor Mitternacht ist auf den meisten Partys eh nicht sonderlich viel los, also warum früher kommen? Ich weiß, ihr seid bestimmt bereits um halb zehn dort, um ja nichts Spannendes zu verpassen und endlich mal was zu erleben, ganz im Gegensatz zu eurem Studium. Um den Punkt Sport aufzugreifen: Das machen wir wirklich (Gratulation zu dieser treffenden Analyse!). Doch nicht unbedingt, um „hip“ zu sein, wie du es nennst, sondern viel eher als Ausgleich zum Lernen. Aber Skater gibt es unter uns Maschinenbauern kaum. Dafür mögen wir Outdoor- und Bergsportarten umso mehr. Ist das auch „hip“?

Tank-Tops?! Ich dachte, wir tragen alle nur Karohemden? Womit wir beim eigentlichen Vorurteil angekommen sind. „Kariertes Hemd und Samenstau, wir studieren Maschinenbau“, diesen Spruch kennt wirlich jeder Maschinenbaustudent noch vor Antritt des Studiums, spätestens dann aber nach dem ersten Semester. Und ja, wir ziehen tatsächlich ab und zu ein kariertes Hemd an. Aber eigentlich nur, um dieses Klischee aufs Korn zu nehmen und ab jetzt auch, um euch zu ärgern.

Lass mich dir auch einen Tipp geben: Wenn du mich fragst, gibt es auch den einen Maschinenbaustudenten für dich – ja, selbst für dich als Skandinavistin. Dafür müsstest du aber bereit sein, über deinen Horizont zu blicken. Vielleicht suchst du auch einfach mal auf anderen Partys. Zeit dafür hast du ja.

In diesem Sinne, bis zur nächsten Party. Ich werde ein kariertes Hemd tragen.

Dein Maschinenbauer

Maschinenbauer vs. Skandinavistin

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