Wir schreiben München – schreibt mit!

Generation Maybe

„Maybe never never got nowhere. – Don’t be a Maybe“ strahlt es mich frühmorgens auf dem Weg in die Universität von einem Werbeplakat an. Diese Botschaft wird mich noch den ganzen Tag begleiten, wenn auch in diversen Abwandlungen. Ein weiteres Plakat der Werbekampagne an der Litfaßsäule vor unserem Institut macht mich auf die Maybe-Problematik erneut aufmerksam: „Maybe never fell in Love.“ Na toll…

Eben diese Plakate veranlassten den Die Welt Redakteur Oliver Jeges dazu, die 20- bis 30-Jährigen, sprich die in den 80er-Jahren geboren und im digitalen Zeitalter sozialisierten, zur Generation Maybe zu deklarieren. Seine Diagnose: mangelnde Entscheidungsfähigkeit. Stagnation in einer Welt voller scheinbar unbegrenzter Möglichkeiten: „Wir schlafwandeln durch eine vernetzte Welt voller Möglichkeiten und fühlen uns verunsichert angesichts der Fülle von Optionen.“ Philipp Morris hat mit seiner im Dezember 2011für Marlboro  ins Leben gerufenen „Don’t be a Maybe“ Kampagne offenbar den Zeitgeist getroffen. So wundert es kaum, dass kurz nachdem die ersten Plakate aufgehängt wurden, sich die Massenmedien auf das Thema „Generation Maybe“ stürzten.

Ja, nein, vielleicht

Eine ganze Generation sei nicht mehr in der Lage Entscheidungen zu treffen, sich verbindlich festzulegen und sich klar zu äußern. Die als Maybe etikettierte Generation ist eigentlich gut gebildet, sagt aber lieber: Schluss mit den Extrempositionen. Besser noch: Schluss überhaupt mit Positionen. Warum sich entscheiden, wenn man sich doch alle Optionen offen halten kann? Nicht umsonst gibt es bei Facebook neben dem Zusagen- und Ablehnenbutton den, der die goldene Mitte verspricht: „Vielleicht“. Aber was ist eine „Vielleicht“-Zusage? Ein „ich schaue mal, was sonst so geht, wenn nichts geht komme ich und verlange aber, dass genug zu Essen und Alkohol da ist“? In letzter Minute abzusagen ist genauso salonfähig geworden, wie sich einfach überhaupt nicht zu äußern…

Die Freiheit des sich-nicht-festlegen-müssen

Eine ganze Generation, die sich alles bis zum Ende offen halten will. Vielleicht ist das der Grund, weshalb die Kampagne von Marlboro für so viel Aufsehen gesorgt hat. Hatten doch schon einige Unternehmen wie Nike mit „Just do it“ vorher versucht eine ähnliche Werbebotschaft unter die Bevölkerung zu bringen. Dass eine Werbekampagne aufgrund des kleinen Wörtchens „Maybe“ jedoch eine so hitzige Debatte um eine „Generation ohne Eigenschaft“ entfachen würde. Hätte niemand erwartet. Und das, obwohl man mit Marlboro einen alten Hasen in Sachen Werbegeschichte schreiben vor sich stehen hat. Das beweisen Statements wie „Der Marlboro Cowboy wurde über Jahrzehnte zum Inbegriff für Männlichkeit, Freiheit und Stärke und fehlte in fast keiner Kinowerbung“. Nun haben sich die Werbemacher von Marlboro ihre Strategie an die neue Definition des Freiheitsbegriffs angepasst. Denn heute bedeutet Freiheit für viele sich nicht festlegen zu müssen.

Einmal Café Latte laktosefrei, aber mit Sahne und bitte bio

„Auf in den Befreiungskampf, Generation Maybe!“, rief „ Die Welt“-Kolumnistin Cora Stephan.  Dass dieser aber nicht so einfach ist, sei alleine schon der Tatsache geschuldet, dass es heute vergleichsweise wenige Themen gebe, die gruppenübergreifenden Widerstand provozierten. Proteste organisieren sich heute vor allem dort, wo Menschen in ihrem Alltag Einschränkungen wahrnehmen. In einer Luxuswelt, in der man sich entscheiden muss, ob man die perfekte Figur oder doch lieber das Sternekochessen genießen will, sind Widerstände im Kollektiv eher selten. Und dennoch: Die Generation Maybe ist keine Generation ohne Eigenschaft. Ganz im Gegenteil. „Wir sind mediale Zeugen von „9/11“, Irak- und Afghanistan-Krieg und sind durch den Anblick hilfloser Eisbären auf treibenden Schollen für die globale Erderwärmung sensibilisiert.“

Manchmal ist es jedoch das zu umfangreiche Wissen, oder besser gesagt vermeintliche Halbwissen, dass es der Generation Maybe so schwer macht eine klare Stellung zu beziehen. Wer kann schon sagen, ob der Biss ins Biobrötchen die nachhaltige Landwirtschaft fördert, oder doch einen afrikanischen Kleinbauern um die Existenz bringt?, hieß es in einem Artikel der TAZ. Spätestens bei diesem Punkt kommen wir wohl zu einer Grundsatzfrage. Muss denn immer alles schwarz oder weiß sein? Oder ist es nicht auch einfach mal in Ordnung dem Graubereich anzugehören? Die „Generation Maybe“ gab es zu allen Zeiten.“, schrieb der Welt Redakteur Thomas Kielinger. Vielleicht ist es auch einfach nur der Altersabschnitt Maybe, in dem sich entscheidet, ob man sich auf sein eigenes Leben und die eigene Karriere konzentriert oder doch das solide Modell mit Frau und Kind wählt. Meiner Meinung nach fehlt es in dieser mediatisierten und vor allem globalisierten Welt voller Entscheidungen dem Menschen einfach an Orientierung und Stütze. Und so wird sich entweder gar nicht entschieden oder gewartet, bis der oder die Richtige kommt, der einem durch den Entscheidungsdschungel lenkt. Frei nach dem Motto: “Because maybe you’re gonna be the one that saves me”.

se und sd

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.