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My name is Sweetie!

Wie kleine philippinische Mädchen Pädophilen das Handwerk legen.

Sweetie ist 10 Jahre alt. Ein kleines unschuldiges philippinisches Mädchen. Täglich sitzt sie am Computer und chattet. Wie so viele andere Kinder in ihrem Alter für Geld mit fremden, älteren Männern aus westlichen Industrieländern. Beim Schreiben allein bleibt es jedoch selten. Schon nach kurzer Zeit wird der Videochat aktiviert und Sweetie macht, was von ihr verlangt wird. Was die Männer allerdings nicht wissen: Sweetie ist ein Fake.

 

 

Eine neue Art von Missbrauch

Sweetie verkörpert ein Projekt der Menschenrechtsorganisation terre des hommes Netherlands, die mit der Aktion auf das wachsende Problem des „Webcam Child Sex Tourism“ (WCST) aufmerksam machen möchte. Diese neue Form des Kindesmissbrauchs entsteht dadurch, dass die Zugangsmöglichkeiten in Entwicklungsländern einerseits zunehmen, auf der anderen Seite die Armut in der Bevölkerung aber gleich bleibt. Vor allem auf den Philippinen bessern Familien ihr Einkommen mit WCST auf. Die psychischen Folgen sind vergleichbar mit denen körperlicher sexueller Misshandlung und werden von den Angehörigen unterschätzt oder einfach ignoriert.

Die Anfänge des Projekts

Das Projekt begann mit einer reinen Situationsanalyse: „Der Vorlauf unserer holländischen terre des hommes-Kollegen betrug etwa ein Jahr, inklusive Recherche auf den Philippinen, Problemanalyse [und] fachlicher Beratung […]“, berichtet Wolf-Christian Ramm, Mitarbeiter der deutschen Abteilung. Es wurden Informationen darüber gesammelt, auf welchen Internetplattformen verstärkt WCST stattfindet, welche globalen Trends zur Ausweitung des Problems führen und wie sich die Rechtslage in den betroffenen Ländern gestaltet. Heraus kam, dass Gesetze zum Verbot von WCST in den meisten Ländern zwar vorhanden sind. Diese ziehen allerdings nur unzureichende strafrechtliche Konsequenzen nach sich. Bis jetzt wurden weltweit lediglich sechs Täter verhaftet.

Mission Undercover

Diese alarmierende Bilanz veranlasste die Verantwortlichen des Projektes einen Schritt weiter zu gehen und die Täter legal ausfindig zu machen. Vier Ermittler von terre des hommes Netherlands geben sich in 19 verschiedenen, öffentlich zugänglichen Chatrooms als philippinische Mädchen im Alter von neun bis 12 Jahren aus. Um das Vertrauen des mutmaßlichen Verbrechers zu gewinnen und so an mehr Informationen zu gelangen, haben die Aktivisten mit Hilfe innovativer Technologie das virtuelle philippinische Mädchen Sweetie entworfen. Sie verwenden Chatnamen, die eindeutig auf Alter, Geschlecht und Herkunft hinweisen, wie z.B. „10 f philippines“. Das erschreckende Ergebnis: Die Ermittler können sich vor Anfragen,  die unmissverständlich pädophile Hintergedanken bezeugen, kaum retten. Während des Chats wird auf das Alter des Kindes ausdrücklich hingewiesen. Beharrt der Chatpartner trotzdem auf seine sexuellen Forderungen, beginnt man das Profil der Täter genauer zu erforschen. Bei intensiverem Kontakt entkleiden sich die Männer zum Teil, befriedigen sich selbst und fordern dies auch von Sweetie. Während sich die Chatpartner vergnügen, laufen die Ermittlungen bei terre des hommes auf Hochtouren. Durch die Informationen aus den laufenden Gesprächen, sozialen Netzwerken und den Bildern der Webcam erfolgt die Identifikation der Täter. Und erste Erfolge zeichnen sich ab: Durch den Einsatz der professionellen Animation konnten mehr als 20.000 Männer angelockt und innerhalb von zehn Wochen bereits 1.000 Verbrecher gestellt werden. Die Zahl wäre laut terre des hommes Netherlands weitaus größer, stände mehr Zeit und Personal zur Verfügung. „Die Kunstfigur Sweetie steht für das Leid ihrer vielen realen Altersgenossinnen“, berichtet Wolf-Christian Ramm.

Sweetie hilft

Die überwältigende Zahl der Anfragen an die Undercover-Ermittler macht deutlich, wie gravierend das Problem ist, aber auch wie leicht man etwas dagegen unternehmen kann. So geht es terre des hommes Netherlands nicht primär darum, die Täter hinter Gitter zu bringen, sondern die Öffentlichkeit zu erreichen. Sie wollen aufzeigen, wie einfach es auch für staatliche Institutionen sein kann, „Webcam Child Sex Tourism“ einzudämmen. Nichtsdestotrotz werden die ermittelten Daten der Polizei übergeben. Die Organisation appelliert nun an die Regierungen, endlich aktive Maßnahmen zu ergreifen. Dafür stellt sie ihre Technologie und ihre bisherigen Ergebnisse staatlichen Ermittlungsbehörden zur Verfügung. Abschließend bilanziert Wolf-Christian Ramm: „Es ist gelungen, internationale Aufmerksamkeit auf das Problem zu lenken. Aber es müssen Abhilfe, konsequente Strafverfolgung etc. folgen.“

Was kann ich tun?

Um Druck auf die Regierungen auszuüben, aktiv gegen WCST vorzugehen, hat terre des hommes Netherlands eine Online-Petition gestartet.

Setz auch du dein Zeichen: http://avaaz.org/en/wcst/

 

Anna Lehner, Franziska Mader, Isabella Ramin

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